Kinderfreibetrag

Ist der Steuervorteil höher als das gezahlte Kindergeld, senkt der Kinderfreibetrag die Steuerlast bei der Einkommensteuer.
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Kindergeld und Kinderfreibetrag sind eng miteinander gekoppelt und von staatlicher Seite aus eine Unterstützung für Familien, um den Grundbedarf der Kinder zu decken. Dabei gilt, entweder Kindergeld ODER Kinderfreibetrag, beides zusammen ist nicht möglich.

Ob nun das Kindergeld oder der Kinderfreibetrag für Steuerpflichtige vorteilhafter ist, ermittelt das Finanzamt automatisch bei der jährlichen Berechnung der Einkommensteuer (Veranlagung) im Rahmen einer Günstigerprüfung. Eltern müssen den Kinderfreibetrag also nicht gesondert beantragen. Letztmalig wurden der Kinderfreibetrag und das Kindergeld in 2016 angehoben.

Kindergeld

Das Kindergeld ist ein Betrag, der Eltern monatlich überwiesen wird und der nicht der Einkommensteuer unterliegt, also nicht versteuert werden muss. Der Anspruch auf Kindergeld entsteht im Geburtsmonat des Kindes und die Höhe richtet sich dabei nach der Anzahl der Kinder:

01.01.201501.01.201601.01.201701.01.2018
1. und 2. Kind188 Euro190 Euro192 Euro194 Euro
3. Kind194 Euro196 Euro198 Euro200 Euro
ab 4. Kind219 Euro221 Euro223 Euro225 Euro
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Das Kindergeld wurde in 2015 um 4 Euro je Kind angehoben. Im Jahr 2016 stieg es um weitere 2 Euro und erhöhte sich jeweils zum 01.01.2017 sowie zum 01.01.2018 erneut um 2 Euro je Kind.

Kinderfreibetrag

Im Gegensatz zum Kindergeld wird der Kinderfreibetrag nicht ausgezahlt sondern ist ein Freibetrag, der vom zu versteuerndem Einkommen abgezogen wird und sich bei der Berechnung der Einkommensteuer steuermindernd auswirkt. Die monatlichen Kindergeldzahlungen können dabei als Vorausleistungen auf den Kinderfreibetrag zum Jahresende betrachtet werden.

Analog zum Grundfreibetrag, der Einkommen von Erwachsenen steuerfrei stellt und das Existenzminimum sicherstellen soll, wird für Kinder der Kinderfreibetrag (§ 32 Abs. 6 EStG) gewährt, der den Grundbedarf des Kindes decken soll.

Anspruch auf Kinderfreibetrag

Der Anspruch auf den Kinderfreibetrag entsteht im Geburtsmonat des Kindes und hat so lange Bestand, wie auch der Kindergeldanspruch besteht. Allgemein gilt:

  • bis zum 18. Lebensjahr
  • bis zum 25. Lebensjahr, wenn sich das Kind noch in Ausbildung oder Studium befindet
  • auch über das 25. Lebensjahr hinaus, wenn das Kind behindert ist und außerstande, sich selbst zu unterhalten

Höhe des Kinderfreibetrages

Nachdem berichtet wurde, dass der Bund ein Jahr früher als geplant ohne neue Schulden auskommt, besteht Raum für eine Erhöhung. Auf Grundlage des 10. Existenzminimum-Berichts vom 30. Januar 2015 hatte das Bundeskabinett den Gesetzesentwurf zur Anhebung des Kinderfreibetrages, Kindergeldes sowie des Kinderzuschlags beschlossen. Für die Jahr bis 2018 ergeben sich folgende Werte für den Kinderfreibetrag, nachdem es zum 01.01.2017 eine Erhöhung um 168 Euro sowie eine weitere um 72 Euro zum 01.01.2018 gibt:

bis 20142015201620172018
7.008 EUR7.152 EUR7.248 EUR7.356 EUR7.428 EUR

Aktuell beträgt dieser in der Summe 7.356 Euro (7.248 Euro bis 2016) jährlich je Kind für beide Elternteile und setzt sich zusammen aus

  • 2.640 Euro für den Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf (bleibt zunächst unverändert)
  • 4.608 Euro für das sächliche Existenzminimum des Kindes (steigt 2017 und 2018)

Bei getrennten Elternteilen wird der halbe Kinderfreibetrag angesetzt: ab 01.01.2017 sind das 3.678 Euro (3.624 Euro bis 2016).

Diese Beträge werden vom zu versteuerndem Einkommen abgezogen, so dass sich eine neue, reduzierte Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Einkommensteuer ergibt.

Anteilige Berechnung im Geburtsjahr des Kindes

Wird ein Kind nicht im Januar sondern etwa im Mai geboren, so wird im Geburtsjahr der Kinderfreibetrag anteilig gewährt. Am Beispiel Mai besteht der Kindergeldanspruch für acht Monate des Jahres, so dass auch der Kinderfreibetrag nur für acht Monate berechnet wird: 7.248 / 12 x 8 =  4.832 Euro.

Kinderfreibetrag übertragen

In einigen Fällen kann der halbe Kinderfreibetrag von 3.678 Euro (3.624 Euro bis 2016) auf den anderen Elternteil übertragen werden, so dass bei einem Steuerpflichtigen die vollen 7.356 Euro (7.248 Euro bis 2016) angerechnet werden. Das ist dann der Fall, wenn die Eltern getrennt leben oder geschieden sind und ein Elternteil seine Unterhaltspflichten nicht erfüllt oder aufgrund mangelnder Leistungsfähigkeit keine Unterhaltspflicht (§ 1603 BGB) gegeben ist.

Kinderfreibetrag oder Kindergeld – Günstigerprüfung

Ob die Kindergeldzahlungen oder der Kinderfreibetrag für Steuerpflichtige vorteilhafter ist, prüft das Finanzamt automatisch im Rahmen einer Günstigerprüfung. Im erster Schritt wird dazu die Einkommensteuer auf das zuvor ermittelte zu versteuernde Einkommen berechnet. Anschließend wird das zu versteuernde Einkommen um den Kinderfreibetrag vermindert und die Einkommensteuer aufgrund der neuen Bemessungsgrundlage erneut ermittelt. Erst wenn bei beiden Berechnungen die Differenz der Einkommensteuer die Höhe des Kindergeldes übersteigt, ergibt sich ein Steuervorteil. Die Grenzen sind:

  • 2.280 Euro bei Verheirateten (190 Euro Kindergeld x 12 Monate; 2.280 Euro ab 2016 (2.256 Euro bis 2015)
  • 1.140 Euro bei getrennt lebenden Elternteilen (das Kindergeld wird nur zur Hälfte berücksichtigt)
Das Kindergeld wird in jedem Fall auf den Steuervorteil aus dem Kinderfreibetrag angerechnet. Daher ist es wichtig, dass ein Kindergeldantrag gestellt wird, auch wenn man von vornherein weiß, dass der Kinderfreibetrag sich günstiger auswirkt.

Berechnungsbeispiele nach dem Einkommensteuertarif 2016

Die nachfolgenden Beispiele werden mit den Werten für Kindergeld und Kindefreibetrag noch nach der Rechtslage 2016 gerechnet, da die Veranlagung zur Einkommensteuer für das Jahr 2017 erst im Jahr 2018 durchgeführt wird. Zum Jahreswechsel 2017/ 2018 werden die Werte entsprechend angepasst.

Berechnungsbeispiel 1: verheiratete Eltern mit einem Kind (nach Splittingtabelle)

ohne Kinderfreibetragmit Kinderfreibetrag
1.)zu versteuerndes Einkommen24.000 EUR24.000 EUR
Kinderfreibetrag./. 7.248 EUR
Bemessungsgrundlage24.000 EUR16.752 EUR
Einkommensteuer1.160 EUR0 EUR
Differenz Einkommensteuer1.160 EUR
Vorteil: Kindergeld um 1.120 Euro höher (2.280 ./. 1.160)
2.)zu versteuerndes Einkommen48.000 EUR48.000 EUR
Kinderfreibetrag./. 7.248 EUR
Bemessungsgrundlage48.000 EUR40.752 EUR
Einkommensteuer7.338 EUR5.322 EUR
Differenz Einkommensteuer2.016 EUR
Vorteil: Kindergeld um 264 Euro höher (2.280 ./. 2.016)
3.)zu versteuerndes Einkommen72.000 EUR72.000 EUR
Kinderfreibetrag./. 7.248 EUR
Bemessungsgrundlage72.000 EUR64.752 EUR
Einkommensteuer14.858 EUR12.450 EUR
Differenz Einkommensteuer2.408 EUR
Vorteil: Kinderfreibetrag um 128 Euro höhere Steuerersparnis (2.280 ./. 2.408)
Bei Verheirateten ergibt sich erst ab einem zu versteuerndem Einkommen von ca. 64.000 Euro ein Steuervorteil durch den Kinderfreibetrag gegenüber dem gezahlten Kindergeld.

Berechnungsbeispiel 2: lediger Elternteil mit einem Kind (nach Grundtabelle)

ohne Kinderfreibetragmit Kinderfreibetrag
1.)zu versteuerndes Einkommen24.000 EUR24.000 EUR
1/2 Kinderfreibetrag./. 3.624 EUR
Bemessungsgrundlage24.000 EUR20.376 EUR
Einkommensteuer3.669 EUR2.661 EUR
Differenz Einkommensteuer1.008 EUR
Vorteil: Kindergeld um 132 Euro höher (1.140 ./. 1.008)
2.)zu versteuerndes Einkommen48.000 EUR48.000 EUR
1/2 Kinderfreibetrag./. 3.624 EUR
Bemessungsgrundlage48.000 EUR44.376 EUR
Einkommensteuer11.838 EUR10.438 EUR
Differenz Einkommensteuer1.400 EUR
Vorteil: Kinderfreibetrag um 260 Euro höhere Steuerersparnis (1.140 ./. 1.400)
3.)zu versteuerndes Einkommen72.000 EUR72.000 EUR
1/2 Kinderfreibetrag./. 3.624 EUR
Bemessungsgrundlage72.000 EUR68.376 EUR
Einkommensteuer21.845 EUR20.323 EUR
Differenz Einkommensteuer1.522 EUR
Vorteil: Kinderfreibetrag um 382 Euro höhere Steuerersparnis (1.140 ./. 1.522)
Bei Alleinstehenden ergibt sich erst ab einem zu versteuerndem Einkommen von ca. 34.000 Euro ein Steuervorteil durch den Kinderfreibetrag gegenüber dem gezahlten Kindergeld.

Quellen und weiterführende Links

(Letzte Aktualisierung: 02.11.2017)