Azubi Studentin AusbildungWährend einer Ausbildung können volljährige Kinder bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres Kindergeld bekommen. Zudem ist seit 2012 die komplizierte Einkommesanrechnung (Freigrenze) weggefallen. Entsprechende Erläuterungen aus dem BMF-Schreiben vom 07.12.2011 sind in diesem Fachartikel verarbeitet. Die Einkommensgrenze von 8.130 Euro (8.004 Euro alt) sorgt nicht mehr für den Fallbeileffekt, dass bei Überschreiten des Einkommens das gesamte Kindergeld zurückgezahlt werden muss. Hier handelt es sich um eine Vereinfachung, basierend auf dem Steuervereinfachungsgesetz 2011.

So wie der Entfall dieser Einkommensanrechnung für Auszubildende und Studenten Vorteile schafft, birgt die Gesetzesänderungen aber auch Gefahren und hat ihre Tücken, auf die wir in diesem Artikel zum Kindergeld in der Ausbildung näher eingehen werden.

Eltern, die aus Unwissenheit nach der Gesetzesänderung keinen Kindergeldantrag gestellt haben, sollten dies nachholen. Kindergeld kann bis zu vier Jahre rückwirkend beantragt werden und durch den Wegfall der Einkommensanrechnung ab 01.01.2012 hat sich der Kreis der Auszubildenden erweitert, die Kindergeld beziehen können. Bitte aber die weiteren Hinweise im Artikel beachten!
 
 

Höhe des Kindergeldes

Das Kindergeld wurde letztmalig in 2016 angehoben, nachdem der Bundesrat am 10.07.2015 zugestimmt hatte. In 2015 stieg das Kindergeld um vier Euro und in 2016 um weitere zwei Euro geben. Zum 01.01.2017 gibt es eine erneute Erhöhung um weitere 2 Euro.

01.01.2015 01.01.2016 01.01.2017
1. und 2. Kind 188 Euro 190 Euro 192 Euro
3. Kind 194 Euro 196 Euro 198 Euro
ab 4. Kind 219 Euro 221 Euro 223 Euro

Zwar war nach der diesjährigen Bundestagswahl eine Erhöhung im Gespräch, jedoch wurde diese Idee wieder verworfen. Gleichzeitig wurde aber eine deutliche Erhöhung des BAföG in die Polit-Runde geworfen, so dass möglicherweise Schüler und Studenten in naher Zukunft – wenn auch an anderer Stelle – von einer Erhöhung der Leistungen profitieren können.

Ernsthaftigkeit der Ausbildung

Eine Ausbildung ist beim Kindergeld nur berücksichtigungsfähig, wenn diese auch ernsthaft betrieben wird. Die Dienstanweisungen schreiben dabei vor, dass „Zeit und Arbeitskraft“ des Auszubildenden/ Studenten soweit in Anspruch genommen werden, dass keine Zweifel daran bestehen, das gewünschte Berufsziel zu erreichen.

Zweifel an der Ernsthaftigkeit einer Berufsausbildung würden beispielsweise dann aufkommen, wenn der Auszubildende/ Student erheblich von der festgelegte Ausbildung- bzw. Studiendauer abweicht, die für eine vergleichbare Ausbildung üblich ist.

Leistungsnachweise über Ausbildungsstand

Insbesondere bei Ausbildungsgängen, die keine regelmäßige Anwesenheitspflicht erfordern, dazu gehört ein Universität- oder Hochschulstudium sowie das Fernstudium, müssen in regelmäßigen Abständen Leistungsnachweise – ähnlich dem BAföG – erbracht werden. Studenten werden diese auch als „Scheine“ kennen. In der Regel sind die Bescheinigungen von Hochschulen zum Semesterende ausreichen. Sind diese jedoch nicht aussagekräftig genug, können die Familienkassen auch die Zusendung von Arbeiten verlangen, um den Ausbildungsstand nachzuvollziehen. Gerade bei einem Fernstudium kann es daher vorkommen, dass die Familienkasse auch die Vorlage von Einsendeaufgaben verlangt.

Ausbildungs- und Unterrichtszeit

Bei einer Ausbildungs- bzw. Unterrichtszeit von 10 Wochenstunden gehen die Behörden von einer ernsthaft angestrebten Ausbildung aus. Liegen die Wochenstunden darunter, muss nachgewiesen werden, dass ein entsprechender Zeitaufwand durch die Vor- und Nachbereitung des Unterrichtsstoffs entsteht oder zusätzliche ausbildungsfördernde Aktivitäten (z. B. praktische Übungen, Versuche etc.) durchgeführt werden.

Schulische Ausbildung und erste Berufsausbildung

Befindet sich das volljährige Kind noch in allgemeiner Schulausbildung oder in der ersten Berufsausbildung/ Studium, so haben Eltern weiterhin vollen Kindergeldanspruch. Gleiches gilt auch, wenn das Kind noch ohne Ausbildungsplatz ist oder sich zwischen zwei Ausbildungsabschnitten befindet (max. vier Monate). Auch wenn das Kind währenddessen neben der Ausbildung Geld verdient, z.B. mit einem Studentenjob oder einem Ferienjob, können diese das Kindergeld nicht mehr streitig machen.

Je nachdem, was zuerst eintrifft, endet die Bezugsdauer des Kindergeldes entweder mit dem erfolgreichen Abschluss der ersten Berufsausbildung (z. B. Gesellenbrief, Fachangestelltenbrief, Bachelor-Abschluss etc.) oder mit der Altersgrenze von 25 Jahren. Die Altersgrenze verlängert sich um Zeiten, in denen der gesetzliche Wehr- oder Zivildienst (Pflicht zum 01.07.2011 abgeschafft) abgeleistet wurde. Ausführliche Erläuterungen zur Verlängerung erhalten Sie ganz unten in diesem Artikel.

Zwischen zwei Ausbildungsabschnitten

Befindet sich der Auszubildende zwischen zwei Ausbildungsabschnitten, z.B. Abitur und anschließendes Studium, so kann das Kindergeld für höchstens vier Monate weitergezahlt werden.

Zweite und weitere Berufsausbildung

Tafel Kreide Prüfung bestandenHat das Kind bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung, kommt es nun zu den o.g. Tücken, mit denen Eltern bisher nicht gerechnet haben.

Als abgeschlossene Berufsausbildung wird hier nicht das abgesehen, was der Auszubildende darunter versteht, sondern ob die bisherige Ausbildung zur Ausübung eines Berufes befähigt. Es wird nicht danach unterschieden, ob es sich um eine Fortführung der Ausbildung handelt oder ob die zweite auf der ersten aufbaut. Beispiele hierfür:

  • So befindet sich eine Medizinstudentin, die nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung als Krankenschwester absolviert hat, in ihrem Studium bereits in der zweiten Berufsausbildung. Der erlernte Beruf als Krankenschwester befähigt sie zur Berufsausübung.
  • Ein Student, der bereits erfolgreich einen Bachelor Abschluss hat und anschließen ein Master Studium hinterher hängen will, befindet sich im Masterstudiengang ebenfalls in der zweiten Berufsausbildung. Der Bachelor ist ein anerkannter Abschluss des Studiums, der bereits zur Ausübung eines Berufes befähigt.
  • Wurde eine Ausbildung zum Rettungssanitäter mit einer Prüfung abgeschlossen, so liegt eine abgeschlossene Berufsausbildung vor

Ist die erste Berufsausbildung bereits abgeschlossen, erlischt der Kindergeldanspruch nicht automatisch. Die Familienkasse muss nun prüfen, ob das volljährige Kind schädliche Einkünfte erwirtschaftet.

Keine Einkommensgrenze – aber schädliche Einkünfte

Wie bereits Eingangs erwähnt, ist die Einkommensgrenze vollständig entfallen. Dafür wurden beim Kindergeld für Auszubildende in der zweiten oder einer weiteren Ausbildung andere Kriterien eingeführt. In den Dienstanweisungen der Familienkassen ist von „schädlichen Einkünften“ die Rede. Als schädlich ist eine

  • Erwerbstätigkeit von mehr als 20 Stunden pro Woche

anzusehen.

Eine Tätigkeit im Rahmen eines Ausbildungsdienstverhältnisses ist stets unschädlich. Hierzu gehört nach 63.4.3.2 DA_FamEStG 2013:

  • ein Berufsausbildungsverhältnis nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG)
  • Praktikum oder Volontariat (siehe auch Voraussetzungen für Kindergeld im Praktikum)
  • Praktikum bei Pharamazeuten im Anschluss an universitäres Pharamaziestudium
  • Referendariat beim Studium auf Lehramt/ Rechtswissenschaften als Vorbereitung auf das 2. Staatsexamen
  • berufsbegleitendes Studium/ dualer Studiengang
  • Dienstverhältnis bei Beamtenanwärtern/ Aufstiegsbeamten
  • Dienstverhältnis von Berufssoldaten während des Studiums an einer Bundeswehrhochschule
  • Annerkennungsjahr im Rahmen der Ausbildung zum Erzieher

Unschädlich sind neben der Ausbildungsvergütung auch Tätigkeiten im Rahmen einer

  • geringfügig entlohnten Beschäftigungen (Minijob, 450-Euro-Job)
  • kurzfristigen Beschäftigung

Ob eine geringfügige bzw. kurzfristige Beschäftigung vorliegt, richtet sich nach der sozialversicherungsrechtlichen Beurteilung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitgeber.

Schädliche Einkunftsarten

Zu diesen schädlichen Einkünften zählen:

  • Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit
  • Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft
  • Einkünfte aus selbständiger und/ oder gewerblicher Tätigkeit

Unschädlich dagegen sind

  • Tätigkeit in einem Au-Pair-Verhältnis
  • Einkünfte aus Kapitalvermögen
  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung

An dieser Stelle kommt es bei der gesetzlichen Regelung zu einer Ungerechtigkeit, die wir an einem Beispiel verdeutlichen wollen:

Beispiel Stefan

Stefan ist 23 Jahre alt und hat erfolgreich seine Lehre abgeschlossen und wurde vom Ausbildungsbetrieb in eine Vollzeitstelle übernommen. Um sich weiterzubilden, hat er zusätzlich ein Fernstudium aufgenommen. Aus seiner Tätigkeit in Ausbildungsbetrieb erhält er monatlich ein Einkommen von 1.300 Euro. Stefan ist vom Kindergeldbezug ausgeschlossen, da er nach dem Gesetz schädliche Einkünfte erzielt.

Beispiel Martin

Martin ist 23 und hat eine Lehre abgeschlossen und ein Studium an einer Fernhochschule begonnen. Martin muss nicht arbeiten, da seine Eltern für ihn mit Sparvermögen und einer vermieteten Eigentumswohnung vorgesorgt haben. Neben monatlichen Zinsen von 450 Euro erhält er zusätzlich 900 Euro aus der Vermietung. Da er keinen schädlichen Einkünften nachgeht, behalten die Eltern den vollen Anspruch auf Kindergeld für Martin.

Ungerechtigkeit durch Einkunftsarten

Sowohl Stefan als auch Martin befinden sich im obigen Beispiel in einer weiteren Ausbildung. Ungerecht ist jedoch, dass Einkünfte aus Erwerbstätigkeit (persönliche Arbeitskraft) schädlich sind. Obwohl der unvermögende Stefan geringere Einkünfte als der vermögende Martin hat, erhält Stefan kein Kindergeld mehr. Für Martin haben die Eltern dagegen weiterhin vollen Kindergeldanspruch, da er nicht arbeitet und Einkünfte aus der Verwaltung seines Vermögens bezieht.

 
 

20-Stunden-Grenze bei anspruchsschädlicher Erwerbstätigkeit

Entscheidend für die Einhaltung der 20-Stunden-Grenze ist die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit des Kindes. Maßgeblich ist die individuell vereinbarte Arbeitszeit, so beispielsweise im Arbeitsvertrag. Die Ermittlung der Arbeitszeit beginnt im Folgemonat, der auf den Abschluss der erstmaligen Berufsausbildung bzw. Erststudium folgt.

Hat das Kind seine Erstausbildung im Juli 2016 beendet, beginnt die Berücksichtigung der Arbeitszeit im August 2016.

Uhr Arbeitszeit WochenstundenAuch wenn mehrere Tätigkeiten während der Ausbildung nebeneinander ausgeübt werden (z.B. ein Minijob und eine Teilzeittätigkeit), sind diese unschädlich, wenn insgesamt die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit in der Summe 20 Stunden nicht überschreitet.

Vorübergehende Ausweitung der Arbeitszeit

Für einen Zeitraum von höchstens zwei Monaten kann die Arbeitszeit auch über die 20 Wochenstunden hinaus ausgeweitet werden. Voraussetzung ist allerdings, dass im Durchschnitt des gesamten Zeitraums, in dem Anspruch auf Kindergeld während der Ausbildung besteht, die wöchentliche Arbeitszeit von 20 Stunden nicht überschritten wird. Für eine korrekte Ermittlung sind nur volle Wochen mit der gleichen Arbeitszeit heranzuziehen. Ein Jahreswechsel unterbricht die Ausweitung der Arbeitsstunden nicht.

Diese komplizierte Berechnung lässt sich am besten an einem Beispiel verdeutlichen. Dabei gehen wir davon aus, dass sich das Kind das gesamte Jahr in Ausbildung befindet und demnach für volle 52 Wochen einen Kindergeldanspruch besteht. Die genannten Wochenstunden sind die vereinbarte Arbeitszeit.
  1. 01.03. – 31.07. – Teilzeit 20 Std./ Woche – (21 Wochen + 6 Tage)
  2. 01.08. – 30.09. – Vollzeit 40 Std./ Woche (8 Wochen + 5 Tage)
  3. 01.10. – 30.11. – Teilzeit 15 Std./ Woche (8 Wochen + 5 Tage)

Die einzelnen Tage sind nicht relevant, also müssen wir zunächst die Arbeitszeit der einzelnen, vollen Wochen zusammenzählen:

(21 Wochen x 20 Std.) + (8 Wochen x 40 Std.) + (8 Wochen x 15 Std.) = 860 Std.

Da der Anspruchszeitraum auf Kindergeld volle 52 Wochen beträgt, müssen wir nun 860 gearbeiteten Stunden durch die 52 Wochen teilen und erhalten die durchschnittliche, wöchentliche Arbeitszeit:

860 Std. /52 Wochen =16,54 Std./ Woche

Die vorübergehende Ausweitung der Arbeitsstunden im August und September beträgt nicht länger als zwei Monate und hat nicht dazu geführt, dass die Grenze von durchschnittlich 20 Stunden überschritten wurde. Somit hat das Kind auch während dieser Monate den vollen Kindergeldanspruch.

Bei Überschreiten entfällt der Anspruch nicht komplett

Im Vergleich zur alten Regelung entfällt der Kindergeldanspruch nicht komplett, wenn die Voraussetzungen überschritten werden. Das Kind wird dann nur für diese Monate kein Kindergeld erhalten, in denen die Ausweitung der Arbeitszeit überschritten wurde. Nur der anspruchsschädliche Zeitraum schließt vom Kindergeldbezug aus, nicht der gesamte Erwerbszeitraum.

Überschreiten der vorübergehenden Dauer von zwei Monaten

Wird der vorübergehende Zeitraum von zwei Monaten überschritten, so gilt die Tätigkeit für diesen Zeitraum als anspruchsschädlich. Dies gilt im Übrigen auch, wenn trotz des überschritten Zeitraums die Grenze bei den wöchentlichen Arbeitszeit von 20 Stunden eingehalten wird. Greifen wir dazu o.g. Beispiel auf und ersetzen die Vollzeittätigkeit unter 2. auf

16.07. – 25.09. – Vollzeit 40 Std. /Woche (10 Wochen + 2 Tage – mehr als 2 Monate)

Obwohl die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit unter 20 Stunden liegt, entfällt der Kindergeldanspruch für den Monat August. Da die vorübergehende Zeit von zwei Monaten überschritten wurde, kann das Kindergeld für das Kind in Ausbildung nur bis zum Monat Juli und dann wieder ab September weitergezahlt werden.

Überschreiten der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 20 Stunden

In den Monaten, in denen die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit überschritten wurde, erhält das Kind kein Kindergeld. Auch das lässt sich am besten an einem Beispiel verdeutlichen.

Das Kind befindet sich im gesamten Jahr 2016 im Studium. Um sich zur Ausbildung etwas dazuzuverdienen, hat es einen Nebenjob aufgenommen. Die vertragliche Arbeitszeit beträgt wöchentlich 20 Stunden. In den Semesterferien im Juli und August weitet es die Tätigkeit auf 40 Wochenstunden aus. Ab September beträgt die Arbeitszeit dann wieder 20 Stunden die Woche.

Hier liegt die Ausweitung mit nicht mehr als zwei Monaten wieder im Rahmen. Rechnet man die wöchentliche Arbeitszeit auf das gesamte Jahr um, so werden die 20 Stunden überschritten, da das Kind in den Monaten Juli und August einer Vollzeittätigkeit mit 40 Wochenstunden nachgegangen ist. Als Folge wird für Juli und August kein Kindergeld gezahlt. Für die Zeiträume davor und danach besteht weiterhin Kindergeldanspruch.

Dualer Studiengang/ berufsbegleitendes Studium

Das berufsbegleitende Studieren wird mittlerweile von vielen Auszubildenden in Anspruch genommen, vereint es doch theoretische Ausbildung und Praxisnähe. Damit das duale Studium aber auch beim Kindergeld anerkannt wird, muss die Ausbildung ebenfalls weitere Voraussetzungen erfüllen. Hierzu scheibt die Verwaltung in seinen Dienstanweisungen (63.4.3.2 Abs. 2):

Bei berufsbegleitenden und berufsintegrierten dualen Studiengängen fehlt es häufig an einer Ausrichtung der Tätigkeit für den Arbeitgeber auf den Inhalt des Studiums, so dass in solchen Fällen die Annahme eines Ausbildungsdienstverhältnisses ausscheidet. Liegt hingegen eine Verknüpfung zwischen Studium und praktischer Tätigkeit vor, die über eine bloße thematische Verbindung zwischen der Fachrichtung des Studiengangs und der in dem Unternehmen ausgeübten Tätigkeit oder eine rein organisatorische Verzahnung hinausgeht, ist die Tätigkeit als im Rahmen eines Ausbildungsdienstverhältnisses ausgeübt zu betrachten. Eine entsprechende Ausrichtung der berufspraktischen Tätigkeit kann z. B. anhand der Studienordnung oder der Kooperationsvereinbarung zwischen Unternehmen und Hochschule glaubhaft gemacht werden.

Verlängerung des Bezuges durch gesetzlichen Wehrdienst/ Zivildienst

Soldaten Wehrdienst Bundeswehr GrundwehrdienstFür die Zeit der Ableistung des gesetzlichen Wehr- und Zivildienstes, dessen Pflicht zum 01.07.2011 abgeschafft wurde, kann der Kindergeldbezug verlängert werden. Volljährige Kinder, die sich noch in Ausbildung befinden, erhalten Kindergeld über das 25. Lebensjahr hinaus, und zwar um die Monate, für die sie den gesetzlichen Dienst geleistet haben.

Als Verlängerungsgründe gelten nicht nur Dienste nach deutschem Recht. Auch Entwicklungshilfedienste sowie entsprechende Dienste nach ausländischen Vorschriften sind gleichgestellt. Berücksichtigungsfähig sind jedoch nur die Dauern, die für den deutschen Grundwehr- bzw. Zivildienst vorgeschrieben waren.

Beispiel: Der volljährige Auszubildende befindet sich noch im Studium und hatte im Juni 2013 seinen 25. Geburtstag. Nach dem Abitur hatte er seinen gesetzlichen Wehrdienst mit einer Dauer von neun Monaten abgeleistet. Grundsätzlich ist Juni der letzte Monat des Kindergeldbezuges. Da aber die Zeiten angerechnet werden, hat der Auszubildende weiterhin bis einschließlich März 2014 einen Kindergeldanspruch (Monat des Geburtstages + 9 weitere Monate)

In erster Linie ist die tatsächliche Dienstzeit maßgeblich. Die Grenze für die Verlängerung des Kindergeldanspruchs bildet allerdings die geforderte Höchstdauer nach dem Verpflichtungsgesetz, diese belaufen sich auf

Zeitraum 01.01.2002 – 30.09.2004 01.10.2004 – 31.12.2010 01.01.2011 – 30.06.2011
Grundwehrdienst 9 Monate 9 Monate 6 Monate
Zivildienst 10 Monate 9 Monate 6 Monate

Der anstelle der gesetzlichen Pflicht eingeführte Bundesfreiwilligendienst (BFD) begründet hingegen keine Verlängerung des Kindergeldes über das 25. Lebensjahr hinaus. In welchem Fall bei einem BFD oder anderen freiwilligen Diensten Kindergeld gewährt wird, lesen Sie in einem gesonderten Artikel.

Zu diesem Thema auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit:

Letzte Aktualisierung: 18.11.2016