Kindergeld 2022 – Anspruch – Antrag – Höhe und Auszahlung

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, handelt es sich beim Kindergeld um keine Sozialleistung. Zwar wird es i. d. R. von den Familienkassen ausgezahlt, ist im Endeffekt aber eine steuerliche Ausgleichszahlung. Das Kindergeld soll das steuerliche Existenzminimum des Kindes freistellen und dient der Grundversorgung der in Deutschland lebenden Kinder vom Geburtsmonat an. Dabei entsteht der Anspruch automatisch, setzt aber einen schriftlichen Antrag voraus.

Kinderbonus 2022: 100 Euro ab Juli

Im Rahmen des Entlastungspaketes hat die Bundesregierung einen weiteren Kinderbonus 2022 beschlossen. Dieser beträgt einmalig 100 Euro und wird ab Juli 2022 ausgezahlt. Voraussetzung ist, dass man mindestens einen Tag im Jahr 2022 einen Anspruch auf Kindergeld hat. Ein gesonderter Antrag ist nicht notwendig, die Auszahlung erfolgt automatisch über die Familienkassen. Wenn Kinder später – nach Juli – einen Kindergeldanspruch haben, bspw. Neugeborene, so reicht der reguläre Kindergeld Antrag aus um auch den einmaligen Kinderbonus in Höhe von 100 Euro zu erhalten.

Kinderbonus: 150 Euro in 2021

Auch in 2021 hat die Regierung eine kleine steuerliche Corona-Hilfe für Eltern und ihre Kinder, die mindestens einen Tag im Jahr 2021 Anspruch auf Kindergeld haben. So wurde ein erneuter Kinderbonus in Höhe von 150 Euro je Kind beschlossen – darauf einigte sich der Koalitionsausschuss der Bundesregierung am 03.02.2021. Schlussendlich wurde die Hilfe im Dritten Corona-Steuerhilfegesetz am 10.03.2021 festgeschrieben und veröffentlicht. Die Auszahlung des Kinderbonus erfolgte im Mai 2021 über die Familienkassen – jedoch nicht zusammen mit dem Kindergeld.

Details zu Voraussetzungen und der Auszahlung des Kinderbonus 2021 finden Sie in unserem weiterführenden Artikel: 150 Euro Kinderbonus als Corona-Hilfe.

Corona-Pandemie 2020: 300 Euro Familienbonus

Die Bundesregierung hat im Zuge der Corona-Pandemie ein 130-Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket auf den Weg gebracht. In diesem ist auch ein Familienbonus in Höhe von 300 Euro für jedes Kind, das im Jahr 2020 mindestens einen Monat lang kindergeldberechtigt war oder sein wird, enthalten. Dies bedeutet, dass auch der Kinderbonus für volljährige Kinder ausgezahlt wird, sofern für diese im Jahr 2020 zumindest einen Monat lang kindergeldberechtigt waren. Der Familienbonus wurde in 2 Raten durch die Familienkassen ausgezahlt. Die erste Rate erfolgte in Höhe von 200 Euro im September und die zweite Rate in Höhe von 100 Euro im Oktober.

Kindergeld Höhe 2022 | Tabelle – Wie viel Kindergeld gibt es?

Letztmalig wurde zum 01. Januar 2021 das Kindergeld angehoben, dieses Mal um 15 Euro je Kind. Für 2022 ist bislang keine Erhöhung erfolgt. Sobald sich etwas Neues ergibt informieren wir an dieser Stelle.

Auch der Kinderfreibetrag stieg von 7.812 Euro in 2020 auf 8.388 Euro in 2021 und behält 2022 diesen Betrag bei. Aktuell ergeben sich folgende Beträge:

 seit 01.01.2021ab 01.01.2020ab 01.07.2019
1. und 2. Kind219 Euro204 Euro204 Euro
3. Kind225 Euro210 Euro210 Euro
ab 4. Kind250 Euro235 Euro235 Euro

Kindergeld Höhe nach Anzahl der Kinder

  • für 1 Kind: 219 Euro
  • für 2 Kinder: 438 Euro
  • für 3 Kinder: 663 Euro
  • für 4 Kinder: 913 Euro
  • für 5 Kinder: 1.163 Euro

Wie hoch Ihr individuelles Kindergeld unter Berücksichtigung der Anspruchsvoraussetzungen ausfällt, können Sie mit unserem Kindergeldrechner ermitteln.

Informationsgrafik Schema zum Kindergeld

Weitere Informationen zum Kindergeld 2022 sowie den Überweisungsplan finden Sie unter der eigens eingerichteten Informationsseite Kindergeld Auszahlung 2022.

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Was Eltern zum Kindergeld 2022 wissen müssen
Bild: lilo/ fotolia.com

Kindergeldanspruch

Einen Anspruch auf Kindergeld haben Eltern oder Erziehungsberechtigte (z.B. Adoptiv- und Stiefeltern, Pflegeeltern, Großeltern) für Kinder, die im Haushalt der Familie aufgenommen wurden. Weiter wird vorausgesetzt, dass die Erziehungsberechtigten in Deutschland

  • einen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben oder
  • keinen Wohnsitz/ gewöhnlichen Aufenthalt haben, aber in der Bundesrepublik unbeschränkt steuerpflichtig sind

Für Ausländer oder im Ausland lebende Deutsche, die weder einen Wohnsitz/ gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik haben, noch unbeschränkt steuerpflichtig sind, gelten besondere Regelungen nach dem Bundeskindergeldgesetz (BKGG).

Anspruch für minderjährige Kinder

Der Kindergeldanspruch entsteht bereits im Geburtsmonat und besteht uneingeschränkt bis zum 18. Geburtstag des Kindes. Antragsberechtigt sind die Eltern oder andere Erziehungsberechtigte (nicht das Kind selbst!).

Auch wenn das Kind am Monatsletzten, z.B. 31.05. geboren wird, erhalten die Erziehungsberechtigten für den vollen Monat – in diesem Beispiel Mai – Kindergeld.

Volljährige Kinder

Mit Vollendung des 18. Lebensjahres bleibt der Kindergeldanspruch nur weiterhin bestehen, wenn sich das Kind in einer Schul- oder Berufsausbildung befindet oder bei der Agentur für Arbeit als arbeit- bzw. ausbildungssuchend gemeldet ist. In diesem Fall werden Leistungen bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres weiter gezahlt (die Monate, in denen das Kind den gesetzlichen Wehr- oder Zivildienst abgeleistet hat, werden über das 25. Lebensjahr hinaus weiter gezahlt).

Lesen Sie folgende Beiträge mit weiteren Erläuterungen:

Keine Altersbeschränkung für behinderte Kinder

Bei behinderten Kindern spielt es keine Rolle ob diese sich in einer Ausbildung etc. befinden. Sofern die Behinderung vor dem 25. Lebensjahr eingetreten ist, wird Kindergeld ohne Altersbeschränkung weitergezahlt.

Kindergeldantrag stellen

Kindergeld Antrag Formular Vordruck
Der Kindergeldantrag erfolgt schriftlich mit dem dafür vorgesehenen Formular/ Vordruck

Um Kindergeld zu erhalten, müssen die Eltern dieses schriftlich beantragen. Grundsätzlich sind die Familienkassen zuständig, die in den meisten Fällen bei der zuständigen Agentur für Arbeit ansässig sind. Der Kindergeldantrag wird bei der Behörde eingereicht, wobei mit einer Bearbeitungsdauer von 4 bis 6 Wochen gerechnet werden muss. Seit 2018 gibt es auf der Internetseite der Familienkasse die Möglichkeit einige Anliegen auch Online zu erledigen.

Rückwirkender Kindergeldantrag

Seit 2018 kann Kindergeld nur noch für die letzten sechs Monate vor Antragstellung ausgezahlt werden, wenngleich es für vier Jahre rückwirkend beantragt werden kann. Bis zur Gesetzesänderung durch das Steuerumgehungsbekämpfungsgesetz galt die Regelung, dass bei Vorliegen der Anspruchsvoraussetzungen bis zu 4 Jahre rückwirkend beantragt und ausgezahlt werden konnte. Um Leistungsmissbrauch zu vermeiden, wurde diese Auszahlungsfrist drastisch gekürzt.

Antragsvordrucke

Entweder nutzt man hierfür die bei den Familienkassen ausgelegten Antragsformulare oder lässt sich diese zuschicken. Eine andere Alternative ist das Online Formular, welches zu Hause als PDF ausgefüllt und anschließend ausgedruckt werden kann.

Entsprechende Vordrucken zum kostenlosen Download finden Sie unter Kindergeld Formulare

Antrag bei Beamten und im öffentlichen Dienst

Für Beamte und Beschäftigte im öffentlichen Dienst gilt die Besonderheit, dass die Familienkasse nicht zuständig ist. In diesem Fall wird das Kindergeld beim Dienstherren bzw. der Vergütungsstelle beantragt und monatlich direkt an den Anspruchsberechtigten zusammen mit den Bezügen ausgezahlt.

Auszahlung

Die festen Auszahlungstermine sowohl für das Kindergeld als auch den Kinderzuschlag richten sich nach den Anfangsbuchstaben der Kindergeldnummer, welche auf dem Kindergeldbescheid vermerkt sind. Hier finden Sie die Termine zur Kindergeldauszahlung 2022

Kindergeld oder Kinderfreibetrag?

Ob Eltern das Kindergeld erhalten oder doch der Kinderfreibetrag nach § 32 Abs. 6 EStG gewährt wird, hängt von der Höhe des Einkommens ab. Am Jahresende macht das Finanzamt bei der Veranlagung zur Einkommensteuer automatisch eine Günstigerprüfung, welche Vergünstigung vorteilhafter ist. Als grobe Richtung gilt, dass der Kinderfreibetrag günstiger ausfällt als das Kindergeld bei einem zu versteuernden Einkommen von

  • ca. 34.000 Euro bei Alleinstehenden
  • ca. 64.000 Euro bei Verheirateten

Auch wenn das persönliche Einkommen diese Beträge übersteigt, muss dennoch ein Kindergeldantrag gestellt werden. In einem solchen Fall kommt es dann am Jahresende ggfls. zu einer Verrechnung und das Kindergeld wird als Vorauszahlung auf den Kinderfreibetrag berücksichtigt.

Ausführliche Informationen zu diesem Thema sowie Beispielberechnungen siehe unter Kinderfreibetrag im Rahmen der Einkommensteuererklärung.

Was Sie sonst noch wissen sollten

Antragsteller in DeutschlandGesetzesgrundlageGericht bei Streitigkeiten
unbeschränkt steuerpflichtig (Normalfall)Einkommensteuergesetz (§§ 31 ff. und §§ 62 ff. EStG)Finanzgericht
beschränkt steuerpflichtigBundeskindergeldgesetz (BKGG)Sozialgericht

Weitere Informationen hält auch die Bundesagentur für Arbeit mit Ihrem Merkblatt bereit:

Letzte Aktualisierung: 06.07.2022